Glossar Säugling ...

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Säugling

Als Säugling bezeichnet man ein Kind im ersten Lebensjahr. In dieser Zeit wird es häufig mit der Muttermilch gestillt. Wegen des Saugreflexes wird es Säugling genannt. Während der ersten vier Wochen heißt es "Neugeborenes". Ab dem zweiten Lebensjahr nennt man es "Kleinkind".

Für das erste Lebensjahr gibt es typische Entwicklungsphasen. Die Toleranzbreite wird mit zunehmendem Alter größer. Entwicklungsdefizite können durchaus kurzfristig aufgeholt werden. Auffällige oder langfristige Abweichungen sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Sie sind Gegenstand der Pädiatrie.

Inhaltsverzeichnis
1 Sensomotorische Entwicklung
1.1 Die ersten Tage
1.2 Der erste Monat
1.3 Der zweite Monat
1.4 Der dritte Monat
1.5 Der vierte Monat
1.6 Der fünfte Monat
1.7 Der sechste Monat
1.8 Der siebte Monat
1.9 Der achte Monat
1.10 Der neunte Monat
1.11 Zehnter bis zwölfter Monat

Sensomotorische Entwicklung

Mit sensomotorischer Entwicklung ist die dynamische Wechselwirkung von Empfindungen (über Sinnesreize) und reaktiver Bewegung (über das neuromuskuläre Zusammenspiel) gemeint. Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass der Mensch in seinem ersten Lebensjahr auf ein immanentes Lernprogramm zurückgreift, dass es ihm ermöglicht, eine kontinuierliche Entwicklung von der Geburt bis zum aufrechten Stand zu vollziehen.

Die ersten Tage

Sofort nach der Geburt erfolgt eine Überprüfung der Vitalfunktionen nach der APGAR-Skala (Neugeborenen-Screening). Überprüft werden Atmung, Puls, Hautfarbe, Muskeltonus und einige Primitivreflexe im Abstand von 1, 5 und 10 Minuten. Gesund befundene Kinder werden ins Neugeborenen-Zimmer verlegt. Risikofälle werden beobachtet, pathologische Kinder kommen auf die Intensivstation.

Die normale Atemfrequenz liegt bei etwa 40/min., der Puls im Mittel bei 120/min. Säuglinge sind bei der Geburt ca. 52 cm groß. Während des ersten Jahres wächst es um etwa 25 cm. Das Durchschnittsgewicht beträgt 3400g. Bei unter 2500g spricht man von einer Mangelgeburt (häufig bei Frühgeburten). Durch die Anpassung kommt es in den ersten Tagen zu einem Gewichtsverlust von bis zu 300g, nach einer Woche steigt es wieder. Die Anpassungsmechanismen betreffen die Atmung, die Wärmeregulation, das Herz-Kreislauf-System, den Verdauungstrakt, die allgemeine Durchblutung und die Auseinandersetzung mit der Schwerkraft.

Der erste Monat

Auffallend - aber normal - sind unkoordinierte Massenbewegungen, die schiefe Körperhaltung (Asymmetrie) und die sogenannte Moro-Reaktion (Streck- und Umklammerungsreflex bei plötzlichen Geräuschen).

auf dem Rücken liegendauf dem Bauch liegend
Kopf zur Seite gedreht, nach hinten gestreckt zur Seite gedreht, nach hinten gestreckt
Wirbelsäule konvex zur Gesichtsseite großbogig (Kastensitz), Schwerpunkt: Brustbein
Arme in U-Halte, Hand gefaustet, Daumen versteckt angebeugt unter dem Körper, keine Stützfunktion
Beine leicht gebeugt und gespreizt, Füße Bodenkontakt zum Bauch gezogen
Verhalten Schreien bei Unbehagen, Körperkontakt und Streicheln beruhigen

Der zweite Monat

Die Massenbewegungen sind noch dominant, Balancierversuche gegen die Schwerkraft führen zum Tonuswechsel der Muskulatur --> das Kind streckt "alle Viere von sich" (Dystonie). Nach 6 Wochen sollte der Daumen frei sein.

auf dem Rücken liegendauf dem Bauch liegend
Kopf zur Seite gedreht, ab der 6. Wo. fixieren möglich zur Seite gedreht, kann kurz bis 45° angehoben werden
Wirbelsäule weniger Asymmetrie Schwerpunkt: untere Rippen / Nabel
Arme Hand-Hand-Koordination Unterarmstütz, Handgelenk in Mittelstellung
Beine werden ab und zu abgehoben Hüfte und Knie gehen in Streckung
Verhalten wird aufmerksamer, betrachtet - lauscht - hört zu, zufälliges Greifen, Vokalisieren

Der dritte Monat

Die Massenbewegungen sind durch die zunemende Gehirnreife abgebaut. Reflexartige Körperhaltungen sind von der Kopfstellung abhängig (tonische Reflexe). Der Kopf kann alleine ohne dem Rumpf gedreht werden. Das Tragen der Beine (Rückenlage) und der Ellbogenstütz (Bauchlage) sollten "aktiv" sein, also kein "Durchhängen".

auf dem Rücken liegendauf dem Bauch liegend
Kopf Mittelstellung und selektive Kopfdrehung möglich wird außerhalb der Stützfläche gedreht
Wirbelsäule symmetrisch, Gewicht wird Richtung Schulter verlagert Schwerpkt: Unterbauch / Symphyse
Arme Hand-Hand-Mund-Koordination, Zufallsgreifen symmetrischer Ellbogenstütz
Beine Tragen der Beine möglich (Hüft- und Kniegelenke in 90°-Stellung) Mittelstellung der Gelenke, selektive Fußbeweglichkeit
Verhalten aufmerksam, betrachtet - hört zu - kann Stimmen unterscheiden, Lachen, Quietschen, Blaslaute

Der vierte Monat

Die Primitivreflexe und die tonischen Reflexe werden abgebaut. Die Hirnreife ermöglicht ein selektives Bewegen des Kopfes, des Rumpfes und der Extremitäten gegeneinander. Es beginnt die "geh- und stehlose Zeit" (Abasie und Astasie).

auf dem Rücken liegendauf dem Bauch liegend
Kopf selektive Kopfdrehung voll entwickelt bei Kopfdrehung Gewichtsverlagerung zur Hinterseite
Wirbelsäule beginnende Rotation, Kind versucht sich zu drehen Einzelellbogenstütz, selektives Drehen der Wirbelkörper möglich
Arme gleichseitiges gezieltes Greifen (split brain) Einzelellbogenstütz
Beine Fuß-Fuß-Koordination Übernahme von Stützfunktion in Seitlage
Verhalten Farbensehen ist möglich, es werden mehr Reize aufgenommen, es spielt mit seiner Sprache

Der fünfte Monat

Es beginnt die Stehbereitschaft. Dazu entwickeln sich die "Körperstellreaktionen", d.h. der Körper beginnt, den Kampf gegen die Schwerkraft zu gewinnen, und neue Bewegungen koordiniert einzuüben. Dies beginnt mit dem eigenständigen Umdrehen, das bis zum siebten Monat voll entwickelt sein sollte. Die Kopfbeweglichkeit und -kontrolle ist abgeschlossen.

auf dem Rücken liegendauf dem Bauch liegend
Wirbelsäule volle Wirbelsäulenbeweglichkeit, Drehung möglich Drehen bis zum Einzelellbogenstütz (Spielhaltung)
Arme Greifen über die Körpermitte zur anderen Seite möglich intensives Spielen im Einzelellbogenstütz ("kleiner Gartenzwerg")
Beine Beinlängendifferenzierung fürs Drehen (ein Bein angezogen) Fußrand übernimmt Stützfunktion in Seitlage
Verhalten Wiederholen von gleichen Spielmustern (schütteln, schlagen)

Der sechste Monat

In der Rückenlage wird die Entwicklung mit der Hand-Hand-Fuß-Koordination abgeschlossen. Die Umgebungsreize motivieren das Kind, die Welt in einer "höhern Etage" zu erkunden. Es dreht sich auf den Bauch, um den Handstütz zu erarbeiten. Dabei stützt es sich mit den Handinnenflächen ab.

Spielverhalten: es erzählt, wenn es alleine ist, es beginnt Namen zu verstehen (Mama, Papa...)

Der siebte Monat

Aus der Bauchlage heraus beginnen die ersten Fortbewegungsversuche zur Erkundung der Umgebung.
  • Robben --> Vorwärtsziehen mit gebeugten Armen, mit oder ohne Beinbeteiligung, um etwas vor sich zu erreichen. Auffällig wären steife Streckungen der Arme oder Beine.
  • Pivoting --> Kind macht eine Kreiselbewegung in Halbseitenlage (Einzelellbogenstütz), um etwas neben oder hinter sich zu erreichen. Auffällig wären Seitenunterschiede.

Die Hand greift im Zangengriff, Gegenstände werden von einer in die andere Hand übergeben ("Bimanuelle Koordination"). Der Aktionsradius wird erweitert, es ahmt viel nach, verweigert durch Kopfschütteln, klatscht bei Freude.

Der achte Monat

Die Stehbereitschaft sollte voll entwickelt sein, d.h. beim passiven Hinstellen soll es bewusst Gewicht mit den Beinen übernehmen. Das Krabbeln wird vorbereitet: Aus dem Vierfüßlerstand fällt es zurück in den Fersensitz und stößt sich wieder nach vorne ("Rocking"). Das Spielen auf der Seite wird mit gestreckten Arm gemacht, um höher zu kommen ("großer Gartenzwerg").

Es deutet mit dem Zeigefinger auf Gegenstände. Die Hand fasst mit dem "Pinzettengriff". Es legt Gegenstände und schiebt Hindernisse beiseite, um andere Dinge zu greifen/erreichen. Das Kind wiederholt seine erlernten Fähigkeiten nicht nur, jetzt passt es sie veränderten Situationen an (Wenn-Dann-Denken). Es zeigt Suchverhalten, nimmt die Decke von etwas Verstecktem weg ("Objektpermanenz") Es beginnt zu "Fremdeln" (Unterscheidung: bekannt <--> unbekannt).

Der neunte Monat

Das Krabbeln wird koordinierter. Das Kind nimmt verschiedene Sitzpositionen ein: Langsitz, Seitsitz, Fersensitz, Zwischenfersensitz oder Hürdensitz (ein Bein gebeugt, das andere gestreckt). Auffällig wäre eine Beschränkung auf eine einzige Position, bzw. eine bevorzugte Seite beim Seit- und Hürdensitz. Sozialverhalten wie im achten Monat.

Zehnter bis zwölfter Monat

Das Kind beginnt sich hinzustellen. Es zieht sich mit den Armen zunächst in den Einbein-Kniestand, dann beginnt es, sich mit dem Bein hochzustemmen. Um entfernte Gegenstände zu erreichen, geht es erst im gestützten Seitwärtsgang ("Küstenschifffahrt"), bevor es lernt, frei zu laufen. Dabei verringert es allmählich seine Unterstützungsfläche (von breitbeinig bis hüftbreit): Die Gleichgewichtsreaktionen müssen noch ausgebildet werden.

Es kennt Personen und Gegenstände aus dem täglichen Umgang mit ihren Namen. Es beginnt sinngemäße Sätze zu bauen ( "Gib mir...!", Wo ist...?").

Siehe auch: Portal Medizin - Mutter-Kind-Kuren - Säuglingsfürsorge - Kinderkrankheiten - Schwangerschaft - Schwangerschaftsberatung



Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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